Der letzte Wille Manfred Gnädingers

Camelle, galicische Küste des Todes. Es ist der 28 Dezember 2012, acht Uhr abends. Neben der verrotteten Hütte, in der vor genau 10 Jahren der Künstler Manfred Gnädinger tot aufgefunden wurde, dort wo die Strasse am Meer endet und der Schutzdamm beginnt, stehen drei Männer im Licht des Vollmondes. Sie sind Mitglieder des örtlichen Zivilschutzes und haben vor der Tür der Hütte Halogenstrahler aufgestellt, die mit einem Motorgenerator versorgt werden. Ungeduldig warten sie auf die Menschen, die dem Deutschen gedenken wollen. Sie suchen hinter den Geländewagen Schutz vor dem kalten und scharfen Wind, der vom Meer kommt. Endlich, eine halbe Stunde später, nähert sich eilig eine Gruppe von etwa zwanzig Personen. Auch sie scheinen den eisigen Wind zu spüren. Hin und wieder erhellen Blitze der Fotografen die Strasse. Vorne weg, mit einem Strauß roter Rosen geht ein Herr in einem dunklen Mantel, der in dieser Umgebung eher altmodisch als elegant wirkt. Ihn begleitet ein etwas jüngerer, hochgewachsener Mann in sportlicher Windjacke, der in seinen Händen ein zylinderförmiges Gefäß hält. Er ist Clemens, ein Neffe Manfred Gnädingers, der die Urne mit der Asche seines Onkels trägt. Der Mann mit den Rosen ist der Bürgermeister von Camariñas. Als sie die Hütte erreichen, legen sie vor die Tür die Urne und den Blumenstrauß.  Die Fotografen begleiten den Augenblick mit einem Blitzlichtgewitter. Danach wird alles wieder weggeräumt, weil erst am nächsten Tag die Urne eingemauert und versiegelt werden kann.

Der letzte Wille Manfreds Gnädingers war es, in seinem Museum beigesetzt zu werden. Das liessen die örtlichen Gesetze nicht zu. So entschied die Familie und die galicische Stiftung Man, den Leichnam einzuäschern und die Urne im Felsboden des Freilichtmuseums einzumauern.

O Grove, ein Seeort mit Extras

Pescanatur
Benjamin und Laura, umringt von der Besatzung des Vendaval
Pescanatur
Die Fremdenführerin von Pescanatur zeigt den Touristen einen Sack mit frischen Muscheln.

Wenn der Fischer Francisco Iglesias am frühen Nachmittag nach fast 10 Stunden Arbeit sein Boot Vendaval (Sturmwind) an der Kaimauer anlegt, bleibt ihm neben dem Ausladen des Fangs noch eine besondere Aufgabe. Er muss den zwei jungen Touristen, die ihn seit 5 Uhr morgens begleiten, ihr Schifferdiplom aushändigen. Laura und Benjamin, ein deutsch-französisches Paar, das in Paris lebt, nehmen die Auszeichnung dankend an. Für 40 Euros pro Person haben sie ein kleines aber exklusives Abenteuer erlebt: einen Tag mit Fischern auf dem Meer. Die Vereinigung der Fischer des Seeortes O Grove bietet schon seit Jahren unter der Marke Pescanatur diesen Dienst an. Für Paco, wie Francisco von seinen Kollegen genannt wird, geht es nicht nur ums Geld. Als Vorsitzender des Berufsverbandes sieht er sich verpflichtet, die Arbeit und die Probleme seiner Zunft so weit wie möglich bekannt zu machen. Die Küstenfischer machen in Galicien 3% der aktiven Bevölkerung aus (zum Vergleich: der Durchschnitt in der Europäischen Gemeinschaft ist 0,2%) und, obwohl alle Experten sich einig sind, dass diese Art des Fischfanges die einzig sinnvolle ist, sehen viele ihre Zukunft bedroht, weil die Kosten immer höher werden und die Fänge immer geringer.

Aber Pescanatur hat  für Besucher, die etwas über das Leben der galicischen Küstenbewohner wissen wollen, noch mehr anzubieten. Man kann unter Führung bei Ebbe über das Watt spazieren und den Muschelsammlern bei ihrer Tätigkeit zusehen. Und während die Reisebegleiterin über die Arbeit und die Arten der Schalentiere Auskunft gibt, ist es auch möglich, selbst ein bisschen im Sand nach Muscheln zu buddeln, was vor allem den Kindern viel Spass macht. (www.pescanatur.es)

 

Hablar español

Escuela Internacional de Lenguas
Martin, ein junger Elektrotechniker aus Dresden lernt spanisch weil er in Deutschland sich mit einer galicischen Erasmus-Studentin befreundete.
Escuela internacional de Lenguas
Martin am Tisch der Wohngemeinschaft, die er mit spanischen Studenten teilt.

Eine ganz andere Art einen Bildungsurlaub in O Grove zu verbringen, ist es, in der Escuela Internacional de Lenguas zu studieren. Diese kokette Schule, die sich in einem traditionellen Gebäude aus Naturstein im Zentrum des Ortes befindet, wird von dem Deutschen Rüdiger Unruh und seiner galicischen Frau Ana geleitet. Hier kann man in kleinen Gruppen Spanisch mit einheimischen Lehrern lernen. Die Unterbringung erfolgt in Gemeinschaftswohnungen, was den Aufenthalt sehr günstig macht. Da gleichzeitig viele Spanier Deutsch oder Englisch studieren, ist es die Regel, dass man als einziger Deutscher unter Spaniern lebt. So ist man gezwungen, nachmittags zu praktizieren, was man am Morgen gelernt hat. (www.rias-bajas.com)

Im Sarg über den Festplatz

 

Emilia ist Kindergärtnerin, 33 Jahre alt und hat einen Vater, der nach einer schweren Herzoperation noch einmal mit dem Leben davongekommen ist. Sie hatte ein Gelübde abgelegt und die Schutzheilige ihres Geburtsortes um Hilfe gebeten. Jetzt will sie es erfüllen. In Santa Marta de Ribarteme, ein kleines Gebirgsdorf, nicht weit von den Ufern des Miño-Flusses und der portugiesischen Grenze entfernt, gibt es den Brauch, sich der heiligen Marta dankbar zu zeigen, in dem man sich in einen Sarg legt und an der jährlichen Prozession teilnimmt, als wäre es die eigene Beerdigung. So geht Emilia am Morgen des 29 Juli mit ihrem Vater, der noch einen Verband um die Brust gewickelt trägt, in die Kirche. Der kleine Tempel ist randvoll mit Menschen die gegen ein Entgelt Bilder, Tücher oder andere Gegenstände an dem Gewand der Heiligenfigur reiben wollen, als würde damit eine wunderliche Kraft übertragen. Auch einige Kinder werden mit ausgestreckten Armen angehoben, um das Standbild zu berühren. Die stickige warme Luft lässt ahnen, was auf sie und José Ramón, der ebenfalls sein Gelübde erfüllen will, zukommt: fast eine Stunde in einem offenen Sarg bei glühender Sonne. Emilia bedeckt deshalb ihr Gesicht mit einem gelben Fächer, der Mann mit einer verknitterten Regenmütze. Der Trauerzug entfernt sich nicht weit von der Kirche, zieht ein kurzes Stück an Weinreben vorbei und kehrt dann über den Festplatz, der mit Kinderattraktionen und Spielbuden vollgestellt ist, zu seinem Ausgangspunkt zurück. Aber es geht langsam voran, die Kapelle spielt traurige Märsche und die Hitze macht es allen schwer, denen, die tragen, wie auch denen, die getragen werden.

Fiesta de Machos

Jeden Sommer werden in verschiedenen Orten Galiciens die Wildpferde, die frei in den Bergen leben, zusammengetrieben und in einem Korral (Curro) zusammengepfercht, um die Fohlen zu markieren und den erwachsenen Tieren die Mähne und den Schwanz zu stutzen. Dieses Ritual, A Rapa das Bestas (das Scheren der Bestien), vollziehen die jungen Männer der Ortsgemeinschaft mit den blossen Händen. Ohne Stricke werden zuerst die Fohlen herausgezogen und dann die anderen auserwählten Tiere gefangen und förmlich niedergerungen. Man spürt, dass es für die Teilnehmer ein sehr erregendes Erlebnis ist, ihre Kraft und Mut vor den Zuschauern zu beweisen.

rapa das bestas
Die Männer halten sich mit den blossen Händen in den Mähnen fest.

Für die Pferde bedeutet es Angst und Stress. Deshalb gibt es Tierschützer, die diese Prozedur ablehnen, obwohl die Vierbeiner keinen physischen Schaden leiden. Das Fest, das mehrere Tage dauern kann, da meistens die Zahl der Pferde für einen Durchgang zu gross ist, zieht viele Menschen an. Es wird drumherum kampiert, Sattelschlepper ziehen Bühnenvorrichtungen für Musikveranstaltungen auf die Wiesen und in Festzelten wird geröstetes Fleisch und Pulpo a Feira (Oktopos auf galicische Art) angeboten. Wenn die Pferde nach ein paar Stunden, die eine Rapa dauertwieder freigelassen werden, wartet die Herde geduldig, die Stuten zum Gatter gewandt, bis auch die Fohlen sich mit ihr vereinigt. Dann ziehen sie sich beruhigt in die Berge zurück.

 

Prinzip Hoffnung am Atlantik

An der Costa da Morte fast leere Strände zu finden, ist kein Problem, viele sind riesig, liegen am offenen Meer und sind deshalb auch oft gefährlich. Andere sind geschützter und ohne Strömungen, in denen man sein Leben riskiert, aber trotzdem so wenig besucht, dass man zum Beispiel ohne Angst, jemanden zu belästigen, seinen Hund ausführen kann. Area Maior, ganz in der Nähe von Muxía, ist ein solches kleines Fleckchen Naturparadies, eine Bucht mit niedrigen Dünen, sauberem Wasser und von Bäumen umsäumt. Dort kann man fast täglich einem schlanken hochgewachsenen Mann begegnen, dessen weisse schüttere Haare und sein gleichfalls weisser Bart nicht so richtig zu den elastischen fast jugendlichen Bewegungen passen wollen. Ihn begleitet ein grosser schwarzer Labrador. Der Hund hört auf den Namen Sorte (das galicische Wort für Dusel), und Glück hat er gehabt, weil er ausgesetzt und verlassen jetzt mit seinem neuen Herrchen zweimal am Tag am Strand spazieren kann. Das Herrchen ist Detlef Kappeler, ein deutscher Maler, der vielen als Künstler bekannt sein dürfte, der oft aneckte und störte, wenn er sich für Menschen einsetzte, die er verfolgt glaubte. 1938 in Stettin geboren, lernte er im Alter von 7 Jahren Zerstörung, Gewalt und Verfolgung kennen, Erlebnisse die ihn noch heute bewegen. 1945 musste er mit seinen Eltern die zerbombte Stadt in einem Flüchtlingstreck, der von Tieffliegern angegriffen wurde, verlassen. Zuvor hatten die Nazis seine Großmutter im Rahmen der Vernichtung „lebensunwerten Lebens“, der Zwangseuthanasie ermordet. Diese Kindheitserfahrungen und sein „militanter Optimismus“, wie ihn Ernst Bloch forderte, bestimmen seine Arbeiten bis heute. Der Name des Autors des „Prinzips Hoffnung“ sowie der seines verstorbenen Freundes Erich Fried tauchen häufig in den Gesprächen auf, die der Maler über sein Werk führt. 1985  wollte die Universität von Hannover sein Theodor Lessing Bild nicht aufhängen, weil im Hintergrund auch das Gesicht des Hochschullehrers Peter Brückners zu sehen war.  Dieser hatte ein vierjähriges Berufsverbot erlitten, weil er die Veröffentlichung des Bubacksnachrufes  unterstützt hatte. Ein Jahr nach seiner Rehabilitation, starb er  1982 an einem Herzversagen. Es ist wohl bezeichnend, dass in dem gleichen Gemälde auch das Gesicht der ermordeten Grossmutter erscheint. Heute lebt und malt Detlef Kappeler in einem der typischen Steinhäuser des pittoresken Örtchens Chorente. Nach vielen Jahren in Barcelona, suchten er und seine Frau Almut die Ruhe. Sie wollten die Stadt, ihr Lärm, die Hitze  des Mittelmeersommers hinter sich lassen. „Am Mittelmeer erstickt man“, sagt Almut. So zog es sie immer weiter in den Nordwesten – bis zum Atlantik. „Hier ist es wie zu hause“, fährt die Norddeutsche fort, „hier fühle ich mich nicht fremd, nur die Sprache ist eine andere.“ Detlef Kappeler ergänzt:“ Meine Kunst fühlt sich am Atlantik besser vermittelt als im Mittelmeerraum.“ Ein lokaler Kritiker hat den deutschen Maler in einer Linie mit der galicischen Romantik gesehen. Der Künstler findet das gut so. „Die Romantik war ja eine aufklärende Ablösung von der traditionellen Kunstauffassung.“ Aber er besteht darauf , dass es ihm letztlich um das „zukünftig Mögliche „ginge – was alles „jetzt nicht definierbar, aber existent ausserhalb unserer Welt“ sei. Romantiker ja, aber nur als Ausgangspunkt für die Ideen Ernst Blochs. So malt und zeichnet er mit allen Techniken, die ihm zur Verfügung stehen, expressionistisch und wild. Auf einem Tisch seines Ateliers liegt das Buch Les travailleurs de la mer von Victor Hugo. „Der Ozean blüht.“ ist einer der Titel seiner Bilder.

Manfred Gnädinger und die Costa da Morte – ein Leben als Kunstwerk

Manfred Gnädinger
Man vor seiner Hütte – Wikipedia

Im Jahr 1961 oder vielleicht 62, darüber sind sich nicht alle einig, tauchte in dem kleinen Fischerort  Camelle an der Costa da Morte ein junger unbekannter Deutscher auf. Er war allein, gut gekleidet und hatte einen Rucksack als einziges Gepäck. Erst fast 50 Jahre später erfuhr die Öffentlichkeit, dass er der ehemalige Konditoreigeselle Manfred Gnädinger war. Am 27. Januar 1936 in Radolfzell geboren, hatte er die Schulzeit in Böhringen verbracht. Im Jahre 1953 schloss er seine Lehre im Café Keller, wo angeblich die Schwarzwälder Kirschtorte auf die Welt kam, mit guter Note ab. Aber er hatte für die Zukunft andere Pläne. Er wollte Künstler sein. Ende der fünfziger Jahre stellte er Selbstbildnisse und Grafiken in Luzern und Basel aus. In der Lokalpresse wurde er verrissen. „Unreif und undiszipliniert“ nannte ihn der Kritiker einer Basler Zeitung. Daraufhin zog es ihn nach Italien, eine für unruhige deutsche Seelen klassischer Reise der Selbstfindung.   Später arbeitete in einer Besserungsanstalt als Erziehungshelfer und kehrte schliesslich zu seinem Elternhaus zurück. Aber dort hielt er es nicht lange aus und eines Tages bat er seinen Bruder, ihn an einem geeigneten Ort zu lassen, um Autostop zu machen. Und so begann seine letzte große Fahrt, die ihn bis nach Camelle  führte, einen kleinen Ort der galicischen Küste des Todes, ganz in der Nähe von Finisterre, dem „Ende der Welt“. Er sprach kein Wort spanisch und die Anwohner führten ihn zu Eugenia Heim, der deutschen Frau des Lehrers Pepe Baña. Sie vermietete ihm ein Haus am Eingang des Ortes, wo er bald ein Museum seiner eigenen Werke einrichtete. Einige Zeit später starb sie an einer schweren Krankheit und der Rest der Familie hatte kein Verständnis für den eigenwilligen jungen Deutschen, der ihr Haus in eine Kunsthalle umwandelte. So musste er es verlassen. Aber Manfred Gnädinger gab nicht auf. Er erwarb ein felsiges Grundstück dicht am Hafen. Dort war es nur erlaubt, Schuppen zu errichten, wie ihn die Fischer für ihre Netze und Reusen benutzen, aber keine Häuser. So baute er sich aus den Resten verschiedenster Materialen eine Hütte ohne Strom- und Wasseranschluss. In ihr lebte er von nun an, umringt von Skulpturen, die er nach und nach aus Steinen, Strandgut und Mörtel formte. Die Landschaft der Costa da Morte, geprägt von runden kugeligen Felsbrocken, die wie vergessene Riesenmurmeln im Gelände verstreut herumliegen, hatte ihn wohl zu Formen inspiriert, die stark an die Werke des katalanischen Architekten Gaudi erinnern. Andererseits zeigten später seine Aufzeichnungen, dass er diesen Künstler gut kannte. Als ergänzender Gegensatz seines Steingartens bemalte er auf der anderen Seite der Hafenbucht Felsbrocken in abstrakter Form. Wenn jemand  sein Museum besuchen wollte, musste er 100 Peseten Einritt bezahlen und bekam dafür einen kleinen Block und einen Bleistift, um seine eigenen Beobachtungen zu skizzieren. Aber wie er einerseits die Natur in Kunst verwandelte, so versuchte er andererseits auf radikale Weise, nicht im Widerspruch zur ihr zu leben. Immer barfuß, im Sommer und im Winter nur mit Lendenschurz bekleidet, ass er fast nie weder Fisch noch Fleisch und ernährte sich hauptsächlich von Algen, wilden Früchten und Pilzen. Täglich schwamm er im Meer und hielt sich durch kilometerlange Dauerläufe fit.

Viele glaubten, dass diese Entwicklung zur Radikalität durch die unerwiderte Liebe zu einer Frau ausgelöst wurde. Mercedes Martin, 45, ist da anderer Meinung. Sie ist als Stadträtin von Camariñas für Camelle zuständig, das zu dieser Gemeinde gehört. Gleichzeitig ist sie Vizevorsitzende der Stiftung „Man“, wie der Deutsche von allen genannt wurde. „Ich habe mit der Frau, in die er angeblich verliebt war, gesprochen. Sie hat mir gesagt, dass daran nichts wahr ist“, erklärt sie. „Ein schwerer Schlag hingegen war für ihn der Tod der Deutschen, weil sie viel Verständnis für seine künstlerischen Absichten zeigte und ihm das Haus zur Verfügung stellte.“ Es ist wohl wahrscheinlicher, dass niemand an der galicischen Costa da Morte, wo das Leben für die meisten Menschen sehr hart ist, sich vorstellen konnte, freiwillig ein Leben wie Manfred Gnädinger zu führen, ohne dass ihn etwas schwerwiegendes aus der Bahn geworfen hätte. Ein gebrochenes Herz ist die romantischste Erklärung dazu. Manfred Gnädinger und die Costa da Morte – ein Leben als Kunstwerk weiterlesen

Gaias – Pilgerstätte der Architekten und zornigen Rentner

Silvia, 28, ist eine der 4 festbeschäftigten Fremdenführer der Cidade da Cultura de Galicia auf dem Berg Gaias in Santiago de Compostela. Sie hat dunkle lockige Haare und ihre exotischen, beinahe arabischen Gesichtszüge verleihen ihr eine natürliche südländische Schönheit. Aber wenn sie deutsch spricht, spricht  eine Rheinländerin. Sie verbrachte ihre ersten 20 Lebensjahre in Grevenbroich (Nordrhein-Westfalen) und nach dem Abitur zog es sie in das Land, aus dem ihre Eltern stammen. Während diese in Deutschland blieben, ging sie nach Santiago, um Germanistik zu studieren. Jetzt erklärt sie auf Rundgängen, an denen auffallend viele Architekten unter den deutschen Besuchern teilnehmen, die konstruktiven Details dieser monumentale Kulturstadt von sechs Gebäuden. Aber auf die häufigste Frage, wie Galicien, ein kleines und strukturschwaches Land, sich ein so überdimensionales Projekt leisten kann, kann sie keine Antwort geben. Es gibt wohl niemanden, der das kann. Gaias – Pilgerstätte der Architekten und zornigen Rentner weiterlesen

Neunaugenfang – ein tausendjähriges Handwerk

Es gibt nur noch selten die Gelegenheit, eine Delikatesse zu probieren, die schon die alten Römer zu den exquisitesten zählten, über die sie in ihrem Reich verfügten: Neunaugen, die man einst in vielen europäischen Flüssen fangen konnte. Heute sind sie in den meisten Gewässern geschützt und nur in Frankreich, Portugal und Spanien können sie gefischt werden. Die Neunaugen sind aalähnliche Geschöpfe, die aufgrund ihrer Besonderheiten nicht Fische genannt werden können. Sie repräsentieren eine vorherige Stufe der Entwicklung: ohne Kiefer und knochiger Wirbelsäule  sind sie 500 Millionen Jahre unverändert geblieben.

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