Die Urne mit der Asche Manfred Gnädingers

Der letzte Wille Manfred Gnädingers

Camelle, galicische Küste des Todes. Es ist der 28 Dezember 2012, acht Uhr abends. Neben der verrotteten Hütte, in der vor genau 10 Jahren der Künstler Manfred Gnädinger tot aufgefunden wurde, dort wo die Strasse am Meer endet und der Schutzdamm beginnt, stehen drei Männer im Licht des Vollmondes. Sie sind Mitglieder des örtlichen Zivilschutzes und haben vor der Tür der Hütte Halogenstrahler aufgestellt, die mit einem Motorgenerator versorgt werden. Ungeduldig warten sie auf die Menschen, die dem Deutschen gedenken wollen. Sie suchen hinter den Geländewagen Schutz vor dem kalten und scharfen Wind, der vom Meer kommt. Endlich, eine halbe Stunde später, nähert sich eilig eine Gruppe von etwa zwanzig Personen. Auch sie scheinen den eisigen Wind zu spüren. Hin und wieder erhellen Blitze der Fotografen die Strasse. Vorne weg, mit einem Strauß roter Rosen geht ein Herr in einem dunklen Mantel, der in dieser Umgebung eher altmodisch als elegant wirkt. Ihn begleitet ein etwas jüngerer, hochgewachsener Mann in sportlicher Windjacke, der in seinen Händen ein zylinderförmiges Gefäß hält. Er ist Clemens, ein Neffe Manfred Gnädingers, der die Urne mit der Asche seines Onkels trägt. Der Mann mit den Rosen ist der Bürgermeister von Camariñas. Als sie die Hütte erreichen, legen sie vor die Tür die Urne und den Blumenstrauß.  Die Fotografen begleiten den Augenblick mit einem Blitzlichtgewitter. Danach wird alles wieder weggeräumt, weil erst am nächsten Tag die Urne eingemauert und versiegelt werden kann.

Der letzte Wille Manfreds Gnädingers war es, in seinem Museum beigesetzt zu werden. Das liessen die örtlichen Gesetze nicht zu. So entschied die Familie und die galicische Stiftung Man, den Leichnam einzuäschern und die Urne im Felsboden des Freilichtmuseums einzumauern.

Veröffentlicht von

Michael Kopa

1954 in Hamburg geboren arbeite ich seit über 20 Jahre als Bildjournalist in Galicien.

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