Im Sarg über den Festplatz

 

Emilia ist Kindergärtnerin, 33 Jahre alt und hat einen Vater, der nach einer schweren Herzoperation noch einmal mit dem Leben davongekommen ist. Sie hatte ein Gelübde abgelegt und die Schutzheilige ihres Geburtsortes um Hilfe gebeten. Jetzt will sie es erfüllen. In Santa Marta de Ribarteme, ein kleines Gebirgsdorf, nicht weit von den Ufern des Miño-Flusses und der portugiesischen Grenze entfernt, gibt es den Brauch, sich der heiligen Marta dankbar zu zeigen, in dem man sich in einen Sarg legt und an der jährlichen Prozession teilnimmt, als wäre es die eigene Beerdigung. So geht Emilia am Morgen des 29 Juli mit ihrem Vater, der noch einen Verband um die Brust gewickelt trägt, in die Kirche. Der kleine Tempel ist randvoll mit Menschen die gegen ein Entgelt Bilder, Tücher oder andere Gegenstände an dem Gewand der Heiligenfigur reiben wollen, als würde damit eine wunderliche Kraft übertragen. Auch einige Kinder werden mit ausgestreckten Armen angehoben, um das Standbild zu berühren. Die stickige warme Luft lässt ahnen, was auf sie und José Ramón, der ebenfalls sein Gelübde erfüllen will, zukommt: fast eine Stunde in einem offenen Sarg bei glühender Sonne. Emilia bedeckt deshalb ihr Gesicht mit einem gelben Fächer, der Mann mit einer verknitterten Regenmütze. Der Trauerzug entfernt sich nicht weit von der Kirche, zieht ein kurzes Stück an Weinreben vorbei und kehrt dann über den Festplatz, der mit Kinderattraktionen und Spielbuden vollgestellt ist, zu seinem Ausgangspunkt zurück. Aber es geht langsam voran, die Kapelle spielt traurige Märsche und die Hitze macht es allen schwer, denen, die tragen, wie auch denen, die getragen werden.

Neunaugenfang – ein tausendjähriges Handwerk

Es gibt nur noch selten die Gelegenheit, eine Delikatesse zu probieren, die schon die alten Römer zu den exquisitesten zählten, über die sie in ihrem Reich verfügten: Neunaugen, die man einst in vielen europäischen Flüssen fangen konnte. Heute sind sie in den meisten Gewässern geschützt und nur in Frankreich, Portugal und Spanien können sie gefischt werden. Die Neunaugen sind aalähnliche Geschöpfe, die aufgrund ihrer Besonderheiten nicht Fische genannt werden können. Sie repräsentieren eine vorherige Stufe der Entwicklung: ohne Kiefer und knochiger Wirbelsäule  sind sie 500 Millionen Jahre unverändert geblieben.

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